L e b e n s u m w e g e  -  E r f u r t

Die Selbsthilfegruppe für an Depressionen erkrankte Menschen und ihre Angehörigen


Auf diese Seite müssen wir uns einem aktuellen Thema widmen, was angesichts sich häufender Fälle immer mehr in den Focus öffentlicher Disskusionen tritt - Gewalttaten durch psychisch kranke Menschen.

In eigener Sache

Liebe Besucher unserer Internetseiten.


In letzter Zeit häufen sich die immer wiederkehrenden Berichte von schlimmen Taten psychisch kranker Menschen.

Vorab: Unser tiefstes Mitgefühl gehört all den Betroffenen bzw. den trauernden Hinterbliebenen.

Was aber inzwischen auch zunehmend festzustellen ist, sind die Verallgemeinerungen aufgrund solcher furchtbaren Vorfälle, aber auch das Klischee: „Wieder ein psychisch Kranker“ was ganz schnell für solche Taten herbeigeholt wird.

Hier gerät aber völlig in den Hintergrund, das psychische Erkrankungen ein so unfassbar großes Spektrum aufzeigen, das sie mit dem heutigen Stand der Medizin weltweit noch nicht ansatzweise in ihrem vollen Umfang erfass- und erst recht nicht behandelbar sind.

Da die Erkrankung an Depressionen eine der am / bzw. immer häufiger vorkommenden, psychischen Erkrankungen ist, etabliert sich untergründig ein völlig haltloser Zusammenhang dieser psychischen Erkrankung mit solchen Gewalttaten im Denken vieler Menschen.

Ein fataler und völlig irrelevanter Sachverhalt, dem ich hiermit massiv entgegentreten möchte.

Die Erkrankung an Depressionen ist nicht immer ein Alleinstellungsmerkmal einer psychisch erkrankten Person, sondern auch häufig eine Begleiterkrankung, die sich an andere psychische oder somatische Erkrankungen anhängt.

Dementsprechend „braucht“ es viel mehr, um das Denken eines Menschen – seine psychische Verfassung – so extrem zu verändern, das er solch furchtbare Taten begehen kann.

"Der Anteil der an Depressionen erkrankten Patienten, von denen tatsächlich eine Gefahr für Außenstehende ausgeht, ist im Vergleich zur Gesamtpopulation äußerst gering", erklärt die Deutsche Depressionsliga.

"Es gibt keine Hinweise, dass diese Menschen häufiger Gewalttaten begehen als andere", meint Ulrich Hegerl, Psychiater und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Von allen Bürgern Deutschlands leiden ca. 4 Millionen an Depressionen. Diese Erkrankung ist gekennzeichnet, durch den Verlust an Lebensfreude, Interesse und Leistungsfähigkeit und macht den Betroffenen in schweren Fällen desinteressiert, energielos und passiv.
Dies alles sind Eigenschaften, die sich keinesfalls mit entschlossenen, geplanten Amokläufen und Massenmorden verbinden lassen.

Innerhalb meiner langjährigen Selbsthilfearbeit – in der ich als Selbstbetroffener seit 2008 tätig bin – ist mir kein einziges Mal ein Betroffener mit einer Erkrankung an Depressionen begegnet, der auch nur ansatzweise aggressiv, gewalttätig oder irgendwie anderweitig „gefährlich“ war.

Ganz im Gegenteil erlebte ich Menschen, die in ihrer Betroffenheit still und ruhig geworden sind und ihren Fokus ausschließlich auf den Kampf zurück in ein wieder selbstbestimmtes und glückliches Leben ausgerichtet haben.

Das schließt für sie ein, das sie mit Hilfe vieler Wegbegleiter an ihrer Seite  – Ärzten, Therapeuten, medizinische Fachkräften, Mitbetroffenen in Selbsthilfegruppen usw. – in großer Dankbarkeit an diesen / ihren schweren Weg beschreiten.

Bitte begreifen Sie, das auch in Fällen solch schwerer Verbrechen die Pauschalisierung und Verallgemeinerung – „…der war wohl auch wieder psychisch krank…“ eine schwere Beleidigung, Verletzung und eine Diskriminierung aller wirklich Betroffenen ist.

Die Betroffenen nehmen so vieles auf sich, um sich auf langen Durststrecken mühevoll zurück in ein lebenswertes Leben – weg vom „Geldempfänger“ zurück zum wieder „Geldverdiener“ – zu kämpfen, das man ihnen mit solchen Unterstellungen zutiefst Unrecht antut.

Was diese „Kämpfer“ ganz sicher nicht im Plan haben, sind Gedanken zu solchen Taten, geschweige den eine dementsprechende Umsetzung.

Deswegen bitte ich Sie Alle, den vielen, schlimmen Sachverhalten und Geschehnissen um uns herum nicht mit Pauschalisierungen zu begegnen, sondern sich immer die Mühe zu machen, die Motivation des Einzelnen und den Einzelfall zu betrachten.

Auch der Gedanke „Das Maß, was Du anlegst, mit dem wirst Du auch selbst gemessen“ ist ein guter und hilfreicher Leitfaden, um nicht den Verallgemeinerern, Verunsicherern und Hetzern wie in einer Herde willenloser „Zombies“ hinterher zu laufen.

Gewaltbereite Menschen fanden sich zu allen Zeiten, in allen Denominationen / Religionen, Staaten, gesellschaftlichen Klassen und Schichten, so wie heutzutage auch.

Diese Zugehörigkeiten innerhalb bestimmter sozialer Gefüge sind aber auch keine Begründung für die Entwicklung / Umsetzung von Gewaltphantasien.

Jeder Mensch mit klarem Verstand – auch psychisch Erkrankte, die ihren Verstand nicht durch eine Geisteskrankheit verloren / eingebüßt haben, selbst Menschen nach schweren Schädel- Hirn- Trauma – sind in der Lage, sich für oder gegen Gewalt zu entscheiden.

Dementsprechend ist Gewaltbereitschaft zum größten Teil nicht mit Erkrankungen, sondern fast ausschließlich mit der freien, menschlichen Entscheidung dafür oder dagegen zu begründen. 


Olaf Lindenlaub, Gesprächsgruppenleiter der Selbsthilfegruppe Lebensumwege-Erfurt
(Selbsthilfe bei Depressionen für Erkrankte und ihre Angehörigen)


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