L e b e n s u m w e g e  -  E r f u r t

Die Selbsthilfegruppe für an Depressionen erkrankte Menschen und ihre Angehörigen

... berichte ich hier, um Betroffenen und Angehörigen mit meinen Aussagen / Erfahrungen und Erfolgen wieder Mut zu machen, den Weg zurück in ein lebenswertes und selbstbestimmtes Leben zu finden.

zuerst ein paar Daten zu meiner Person

  • geboren: 1963
  • mit 16 Jahren ernste Suizidabsichten, doch dann Abkehr davon und Hinwendung zum christlichen Glauben
  • in 1. Ehe verheiratet seit 08.1988
  • 2 Kinder / Mädchen: geb. 1985 und 1992
  • Scheidung der 1. Ehe 1997
  • allein erziehend
  • langzeitarbeitslos (insgesamt ununterbrochen über 10 Jahre)
  • Um- und Ausbau eines ererbten Eigenheims
  • 7jährige, tägliche Pflege meiner Eltern (Vater erkrankt an Parkinson - gest. 2000, Mutter erkrankt an Depressionen, Brustkrebs, Diabetes und Erblindet - gest. 2006)
  • 04.2003 Kennen lernen meiner 2. Frau über eine christliche Partnervermittlung
  • 11.2003 Verlobung
  • April 2004 standesamtliche - und August 2004 kirchliche Trauung
  • Aufbau der neuen, beruflichen Existenz meiner Frau als Hebamme hier in Thüringen
  • 2004 - Gründung m/einer ICH- AG als Computerservice- Unternhemen
  • 2006 - erste konkrete Diagnose - Erkrankung an Depressionen
  • 2006 - Aufgabe der Selbstständigkeit aus gesundheitlichen Gründen
  • Behandlung und medikamentöse Einstellung ambulant und später auch klinisch
  • 2008 Mitbegründer der Selbsthilfegruppe "Seelenaufgang" für an Depressionen erkrankte Menschen, die sich dann in den Verein "Lebensumwege - e.V. Psychosoziale Selbsthilfe Thüringen" umwandelte
  • 2010 Rentenantrag wegen voller Erwerbsminderung gestellt und Rente befristet bis 2012 bewilligt
  • 11.08.2010 Gründung der 4. von insgesamt 5 Vereinsniederlassungen in Thüringen - in Erfurt
  • 2011 Abgabe meiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender wegen Überforderung
  • 2012 Aberkennung des Rentenanspruches und Beginn des Widerspruchs- und Klageverfahrens
  • 12.2013 Auflösung des Vereinsstatus von "Lebensumwege - e.V. Psychosoziale Selbsthilfe Thüringen" und Übergang der bisherigen Vereinsniederlassungen in eigenständige Selbsthilfegruppen
  • 01.01.2014 Neugründung der Erfurter Selbsthilfegruppe: "Lebensumwege-Erfurt" und Einrichtung einer Internetpräsenz
  • 2015 - 1. Gerichtsverhandlung zu meinem Rentenverfahren in 1. Instanz am Sozialgericht Nordhausen
  • 2015 - 2. Gerichtsverhandlung zu meinem Rentenverfahren in 2. Instanz am Landessozialgericht Erfurt
  • Teilerfolg erzihlt und Wieder-/Weiterbewilligung der Rente wg. voller Erwerbsminderung bis 2017 erreicht
  • vorläufige Weiterbewilligung meiner Rente bis 2020
  • Weiterbewilligung der noch immer nur als befristet eingeordneten Rente bis 2022
  • 23.03.2020 Rentenbescheid zur Umwandlung der Rente in eine Dauerrente bis 30.09.2030 (Altersrente)
  • 2 Enkelkinder haben mich zum Opa gemacht
  • 23.06.2020 Magenspiegelung als Voruntersuchung für eine geplante, bariatrische- (Magen-) OP
  • 15. 07.2020 klinische Aufnahme in eine Klinik mit zertifiziertem Adipostas- Zentrum
  • 16.07.2020 die umfassend lebensverändernde, Magen- OP
  • 17.07.2020 postoperativer Tag auf Intensiv
  • 18.07.2020 Rückverlegung auf Station
  • 21.07.2020 Entlassung aus der Klinik nach nicht mal einer Woche Aufenhalt und Beginn eines gewaltig veränderten, neuen Lebensabschnittes (mehr dazu erfahren Sie auf:  https://www.meinemagenop.de/ 


und das bin ich:

Olaf Lindenlaub, ein an Depressionen erkrankter, aber trotzdem glücklicher Mensch, der sein Leben wieder neu - mit viel Hilfe und Unterstützung - annehmen und leben lernen konnte/kann.

Dabei halfen / helfen mir massiv:

  • mein christlicher Glaube, an dem ich trotz aller Schwierigkeiten festhalte
  • die echte, tiefe, tragfähige, verständnisvolle und zuverlässige Liebe und das umfassende Verständnis meiner ebenfalls gläubigen Frau
  • die Leute unserer Selbsthilfegruppe, die mich akzeptietren, achten, mich unterstützen und mir zubilligen, das ich nicht immer da sein und die Gruppe leiten kann, und es dann eben auch mal selber machen
  • die "tierischen" Therapeuten, wie ich gerne unsere Haustiere bezeichne. 3 Hunde, ein Kater, Landschildkröten und die Fische im Aquarium schenken so viele schöne Momente. Ihre tierischen Bedürfnisse zwingen zu einer gewissen Tagesstrucktur und ihre empatischen Fähigkeiten sind menschlich unerreichbar. 
  • die Aufgabe des Gesprächsgruppenleiters und Webmasters der SHG Lebensumwege-Erfurt, in der ich wieder neu Sinn und Erfüllung in meinem Leben finden durfte.

Mit der Diagnose: "Depressionen" bekamen meine von mir selbst als nicht mehr normal erlebten Befindlichkeiten in meinem Gefühlsleben eine Erklärung, wobei das eigene Verständnis noch längst nicht soweit war und erst viel später hinterher kam.

Dann begann auch bei mir - wie bei fast allen anderen, die eine ähnliche Diagnose bekommen - der aussichtslose (wenn ich das da nur schon gewusst hätte) Kampf und Widerstand gegen die Erkrankung, die ich glaubte mit viel Willenskraft und "Zusammenreißen" wieder in den Griff bekommen zu können.

Lange Zeit und viele Fehlversuche später musste ich erkennen, dass ich mich mit dieser Erkrankung arrangieren und nicht gegen sie ankämpfen muss.

Doch wie macht man das, wo fängt man an, wo nimmt man die Kraft dazu her, die doch eigentlich fehlt?

Viele Fragen doch Anfangs keine Antworten und nur Verzweiflung und Hilflosigkeit.

In der Verzweiflung meiner Erkrankung zeigte mir der Gott - an dem ich glaube - Menschen, die ebenso von einer psychischen Erkrankung an Depressionen betroffen waren und ich bemerkte, dass es so Viele sind, die - jeder einzeln für sich - um Bewältigung dieser Betroffenheit kämpfen und außerdem auch so viele Angehörige von Betroffenen, die ebenfalls mit ihren Nöten alleine dastehen.

Gott der Herr gibt mir die richtigen Worte, damit ich erschöpfte Menschen zur rechten Zeit ermutigen kann ...


Als ich die nebenstehende Postkarte bekam, wurde mir bewusst, dass - obwohl von vielen Freunden(?), der Gesellschaft und dem Arbeitsmarkt AUSSORTIERT - ich trotzdem noch zu etwas nützlich sein und eine wichtige und erfüllende Aufgabe im Leben finden kann.

Ich bin sehr dankbar dafür, trotz meiner gesundheitlichen Einschränkungen diese besondere Aufgabe ehrenamtlich ausüben und denen weiter helfen zu können, die bisher damit ebenso allein und hilflos dastehen wie ich zuvor.

<- (zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Der alte Brunnen

Der alte Brunnen spendet leise,
sein Wasser täglich gleicherweise
Wie segensreich ist doch solch Leben:
Nur immer geben, immer geben!

Mein Leben sollt dem Brunnen gleichen,
ich leb, um andern darzureichen.
Doch geben, geben alle Tage …
„Sag Brunnen wird’s dir nie zur Plage?“

Da sagt er mir als Jochgeselle*:
„Ich bin ja Brunnen nur, nicht Quelle!
Mir fließt es zu, ich geb nur weiter,
drum klingt mein Plätschern froh und heiter.“

Nun leb ich nach des Brunnens Weise,
zieh stille meine Segenskreise.
Was mir von Christo** fließt ins Leben,
das kann ich mühlos weitergeben.

A. Kleemann

* gemeint ist: ein "im Dienst Stehender"
** lateinisch für Christus

Sicher fragt sich mancher, wie ich diese verantwortungsvollen Aufgaben - zum einen als Gesprächsgruppenleiter der SHG Lebensumwege Erfurt und Webmaster ihrer/dieser Homepage - trotz meiner gesundheitlichen Einschränkungen wahrneh-men kann, woher meine Kraft, Energie und mein Durchhaltevermögen kommt?

Die Antwort darauf fand ich / bekommen Sie im nebenstehenden Gedicht.

Es wurde mir zum Leitbild für meine Arbeit und es ist tatsächlich so, das ich "bekomme" was ich brauche und zutrifft:

"Ich bin ja Brunnen nur, nicht Quelle!
Mir fließt es zu, ich geb nur weiter..."

Hier noch ein Gedicht - diesmal aus meiner Feder - zum Trost, zur Ermutigung, als "Wegbeschreibung" - für alle, die sich zurück in ein wieder lebenswertes, glückliches und selbstbestimmtes Leben kämpfen.

Der mühevolle Weg der kleinen Schritte
Die erste Zeit begann mit Schrecken, denn was begann sie zu erwecken,
noch unbekannt und nie gewollt, kam etwas auf Dich zugerollt.
Bekannt Dir selbst und doch Dir fremd, es kam so völlig ungehemmt.
Erstürmt die Seele Dir mit Macht, nichts Gutes hat es mitgebracht.
Gefühle, Stimmung, Dein Gefühl - das alles machte, was es will;
Kontrollverlust, das Chaos kam und legte Deine Psyche lahm.

So lang der Weg, dann wurde klar, die Depression der Dämon war.
Von diesem doch schon viel zu viel, auch Ängste kamen noch ins Spiel  
Und noch viel schlimmer wurde klar, wie schwer das dann zusammen war.
Es legte sich auf Deine Seele, auf das es dauerhaft Dich quäle.
„Doch nicht mit mir“, so sprachst Du schlicht, ins Depressionen – Angesicht.

„Ich werd mich wehren, nicht allein, auch meine Ängste krieg ich klein“.

Am Boden schon und fast erlegen, begannst Du Deinen Kampf dagegen.
Noch ratlos, planlos, lahmgelegt, doch wolltest Du das sich’s bewegt.
Vielleicht nur wenig, nur ein Stück, doch wie – egal – zum Glück zurück.
Doch wo - Dich fragend - fängst Du an, wenn man doch gar nicht kämpfen kann?

Ein derber Schnitt durchs alte Leben, was hatte es Dir denn gegeben?
Soviel geschuftet – ohne Dank – und nun allein und auch noch krank.
Es half Dir nichts, als einzusehn, denn so konnt’s nicht mehr weiter gehn.

Mit deinen Lieben eng verbunden, ging es hinab in schwere Stunden.
Ein kleiner, erster Schritt sodann, Du fingst – sehr schwach - zu kämpfen an.
Dann weiter, folgte Schritt für Schritt und machte sichrer Deinen Tritt.
Mit Therapie und Medizin, noch längst nicht da, wo Du wollst hin.

In vielen, vielen, kleinen Schritten, in langem Kämpfen viel gelitten,
kämpfst Du zurück Dich in Dein Leben, was hast Du dafür aufgegeben.
Die Arbeit weg, nun ganz zu Haus, doch machtest Du das Beste draus.
Der Sinn des Lebens neu bedacht, die schönen Hobbys neu entfacht,
kamst Du zurück ins neue Leben, so hat’s das vorher nicht gegeben.

In Ruhe nun, wächst Deine Kraft, obwohl der Weg noch nicht geschafft.
Halt fest was Du erkämpft Dir hast und werfe von Dir Deine Last.
Trotz Ängsten auch und Depressionen, der Weg zum Ziel, er wird sich lohnen.
Trotz Depressionen glücklich sein, das ist Dein Sieg - mein End’ vom Reim.

Ich sag noch zu des Reimes Ende ...
… geschafft hast Du Dir selbst die Wende.
Mit Gruppe, Partner, Deinen Lieben, die – die Dir wirklich treu geblieben,
die mit Dir gingen durch Dein Leid, die bei Dir blieben Seit an Seit.
Sie alle freuen sich mit Dir, denn Du bist – wieder neu – jetzt hier.
So viel verändert, manches Stück, ward’ abgeschnitten, blieb zurück,
doch bei Dir ist all das geblieben, was alle Deinen Lieben lieben.

Halt  weiter durch und bleib besonnen, denn jeder Tag hat seinen Sieg,
auch wenn es damit nicht zu Ende, ein langer Weg noch vor Dir liegt.

Du wirst den schweren Kampf gewinnen, verzweifle nicht und halte aus,
es schien sooft als wär’s zu Ende, doch kämpftest Du Dich wieder raus.

Genieße Deines Kampfes Siege, halt fest und bleib akribisch dran,
leb selbstbestimmt in tiefer Liebe, dann fängt Dein Glück erst richtig an.

Schloßvippach d. 18.02.2020

Lasst Euch mit diesen Zeilen Mut machen!

Gebt (Euch) nicht auf!

Warum solltet Ihr nicht auch das schaffen, was (auch) ich damals für unmöglich hielt?!

Es ist eine lange Durststrecke, ein schwerer Weg der Geduldsprüfungen, aber ich würde ihn immer wieder gehen.

Jeder einzelne Schritt hat sich gelohnt, hat mich bereichert!

Selbst negative Erfahrungen brachten mich voran, zeigten mir, wohin der Weg nicht führt, wo es nicht weitergeht.

Schlug eine Tür zu, öffnete sich eine andere.

Dieser Weg hat mir sehr viel abverlangt aber - was völlig unsinnig klingen mag - mir so viel gegeben, mich so bereichert, mich zurück zu mir selbst geführt, mich mit so vielen wunderbaren Menschen zusammen gebracht ...

Nichts davon würde ich wieder hergeben wollen und dafür hat sich der Kampf gelohnt, auch wenn er noch nicht - vielleicht niemals - zuende sein wird.


Schlaflosigkeit und Gedankenkreisen
- ein Problem vieler Depressiven

Viele Depressive klagen über Schlaflosigkeit und das "Gedankenkarussell" was sich in ihrem Kopf dreht und sich einfach nicht zur Ruhe bringen lässt.
Da auch ich solche schlaflosen oder schlafarmen Nächte zur Genüge kenne, habe ich mich in einer dieser Nächte an meinen PC gesetzt, meine Gedanken bewusst konzentriert und versucht, sie in ein Gedicht zu fassen.
Lest selbst, was dabei rausgekommen ist:

Schlaflos!

Wie lang die Nacht, wenn Du liegst wach, hält sich der Schlaf verborgen,
dann grübelst Du und denkest nach, es quälen Dich die Sorgen.

So vieles geht Dir durch den Kopf, was Du nicht kannst ermessen,
doch leider geht es einfach nicht, dies alles zu vergessen.

Das Denken läuft - so wie im Film - in Szenen und in Teilen,
zu flüchtig oft, doch langsam auch, es will doch auch verweilen.

Auch wenn Du es nicht haben willst, es will doch oft nicht weichen,
doch halte durch und gib nicht auf und sollt es Dir auch reichen.

Das Los für manchen schwerer ist, als das, was Dir gegeben,
bedenke es und danke Gott, er schenkte Dir dies Leben.

Wenn Du nur auf Dein Schicksal siehst, willst jammern nur und klagen,
was sollten manche Menschen dann, von ihrem Schicksal sagen?

Es nahm ihnen ein Körperteil, das Augenlicht zum Sehen,
für viele musste viel zu früh, ein Mensch für immer gehen.

Bist Du betroffen selbst so schlimm, hilft Weinen nicht und Klagen.
Du musst, ob Du es willst ob nicht, das Schicksal doch ertragen.

Doch stehn Dir liebe Menschen bei, die mit Dir überwinden,
mit ihnen kannst Du dann den Weg, ein neues Schicksal finden.

Bedenke Du, der schlafen kann, doch recht die nervig Worte,
wenn Du einmal nicht schlafen kannst, gehörst du mit zur Sorte.

Und schon bist Du auch mit dabei, die knirschen mit den Zähnen,
die schlafen wollen, können nicht, die müde nur noch gähnen.

Drum rate ich Verständnis Dir, für den der müd’ am Morgen,
vielleicht warst Du, im schlafen selbst, der Hauptteil seiner Sorgen.

 Schloßvippach d. 29.02.2000,  3.00 Uhr


Wie in der obigen Chronologie mit dem Eintrag: "2006 - erste konkrete Diagnose - Erkrankung an Depressionen" dargestellt - begann ab da mein Weg mit einem "Lebenspartner" der sich irgendwann ungefragt dazugesellt hatte und nicht mehr weichen wollte.

Carl Gustav Jung - ein Schweizer Psychiater und der Begründer der analytischen Psychologie - formulierte die ganz besonders bedenkenswerten Worte:

                                                                                       "Die Depression ist eine schwarze Dame.
                                                                           Wenn sie an deine Tür klopft,
                                                                           bitte sie an deinen Tisch und frage sie,
                                                                           was sie dir zu sagen hat".

Bei mir dauerte es

  • sehr lange, die "schwarze Dame" der Depression "an meinen Tisch zu bitten"
  • dann noch länger, sie zu fragen, "was sie mir zu sagen hat"
  • und noch länger, bis ich verstand, was sie mir sagte.

Doch irgendwann begann ich zu begreifen, das ich nicht wieder - aber auch nicht weiter - so leben konnte und ich mich zuerst der Herausforderung stellen muss, mich wieder "neu Kennen Lernen" zu wollen.

Klingt völlig idiotisch oder? - ich kenne mich doch (m/)ein ganzes Leben lang!

Ja und Nein, denn diese Erkrankung hat einen anderen Menschen aus mir gemacht, auch wenn ich äußerlich Derselbe blieb wie zuvor.

Doch meine Seele und damit meine ganze Gefühlswelt hatten sich völlig verändert und fühlten sich einfach nur noch chaotisch an.

Eine recht trostlose Ausgangsbilanz, aber eine klare Notwendigkeit, etwas ändern zu müssen.

Grenzen und Möglichkeiten mussten ebenso neu definiert - wie die Ordnung im sozialen Umfeld überprüft - und Beziehungskonstellationen neu überdacht und definiert werden.

Viele "Freunde" kamen mit mir plötzlich nicht mehr zu Recht, da ich ihre Wünsche:

"Kannst Du mal..."?  ------ "Hast Du mal..."? ------ "Machst Du mal..."?

... nicht mehr so erfüllen konnte, wie sie sich das vorgestellt und in der Vergangenheit immer auch so erlebt hatten.

Ich lernte, mit gutem Gewissen "Nein"! zu sagen - es sagen zu müssen, weil ich zu einem "Ja"! oft nicht mehr in der Lage war.

Diese Tatsache "mistete" meine Beziehungen gründlich aus und trennte die "Spreu vom Weizen".

Mit diesen aktiv herbeigeführten Veränderungen, aber vor allem mit der Hilfe und Unterstützung meiner lieben, ebenfalls gläubigen Frau, schafften wir den Weg heraus aus dem tiefsten Tal der Depression, wobei es bedingt gelang, die "schwarze Dame" der Depression "an meinen Tisch zu bitten" und sie immer öfter zu fragen, "was sie mir zu sagen hat"

Diese "schwarze Dame" spricht eine klare und verständliche Sprache, wenn man gelernt hat, ihr zuzuhören und sich danach richtet, wenn sie auf notwendige Veränderungen hinweist.

Als ich begann, Begrenzungen und Beschränkungen neu zu definieren, weil mir immer klarer und deutlicher wurde, das mein/unser Leben eine neue Qualität annehmen muss, begann mein Weg zurück in ein wieder selbstbestimmtes - aber in vielen Eigenschaften völlig anderes Leben - als ich es zuvor gelebt hatte.

Doch so gelang es mir, wieder glücklich zu werden und ein erfülltes Leben gestalten zu können.

Wie das ganz praktisch aussieht, verstand ich anfangs nur bedingt, fand aber mit Hilfe anderer Betroffenen einen Weg, mein Manko durch Krankheit als Potential zu begreifen, das ich in die Arbeit mit ebenfalls Betroffenen bzw. mit deren Angehörigen einbringen - aber mindestens auch genau soviel von ihnen dazulernen kann.

In dieser Erkenntnis wurde ich Mitbegründer eine Selbsthilfeorganisation und leite heute die Selbsthilfegruppe für an Depressionen erkrankte Menschen und ihre Angehörigen die SHG Lebensumwege-Erfurt

Hier zählt, dass ich ein Erfahrungskapital besitze, das ich sowohl in den Jahren meiner Selbsthilfearbeit sammeln - als auch durch umfassende, eigene Erfahrungen erwerben konnte.

Dieses Wissen kann ich nun - gewinnbringend und hilfreich für andere an Depressionen Erkrankte - aber auch für ihre Angehörigen - einbringen und weitergeben.

Die Einstellung zu meiner Erkrankung hat sich mit der Chance in der Depressions- Selbsthilfearbeit tätig zu werden, grundsätzlich geändert.

Diese Erkrankung brachte mir den Gewinn, viele wunderbare Menschen kennen lernen zu dürfen, die "Leidgereift" eine ganz andere - um vieles tiefgründigere - Einstellung zum Leben bekommen haben.

Dieses Leben - in das wir (auch meine Frau und ich) uns mit viel Kraft und Willen zurückgekämpft haben - leben wir nun sehr viel bewusster und tiefgründiger, nehmen uns mehr Zeit für uns selbst und füreinander.

Nebenbei zeigte uns der baulich bedingte Empfangsausfall unserer Satellitenschüssel, dass es auch ohne herkömmliche Fernsehgeräte geht und wir schafften sie ab.
Damit gewannen wir wertvolle Zeit für ein immer besser werdendes Miteinander und "verbannten" nervenaufreibendes "Zappen" mit der Fernbedienung ebenso, wie den ganzen Ärger mit ständigen Werbeunterbrechungen aus unserem Leben.
Man war ja doch immer nur am Umschalten auf einen anderen Kanal, wo zeitgleich ja auch nur Werbung lief, dann wurde wieder umgeschaltet usw., usf.

Schlussendlich erwischten ich mich oft beim "Festgucken" in drei oder mehr Sendungen gleichzeitig, wovon ich aber von keiner wirklich einen Zusammenhang mitbekam.

Außerdem habe ich mich - auch in meiner Veranlagung der Hochsensibilität (unter Depressiv durch -> Hochsensibilität erfahren Sie mehr dazu) - psychisch, konzentrativ und in meiner Aufnahmefähigkeit ständig überfordert und mir viel zu viel Mist "reingezogen".
Nun haben wir das Fernsehen im üblichen Sinne abgeschafft und sehen unsere Sendungen nach gezielter, gemeinsamer Vorauswahl übers Internet an.
Das macht viel mehr Freude und es bleibt so viel mehr wertvolle Zeit füreinander übrig.
Rundfunk, Internet und Presse informieren völlig ausreichend über das aktuelle Tagesgeschehen und wenn wir wollen, können wir ja nach dem, was uns interessiert auch "googeln".

Auch den Blick für alles Schöne - so auch für die wunderbare Schönheit der Natur - habe ich zurück bekommen und kann mich - auch oder gerade in einem Stimmungstief - wieder daran erfreuen.

Die Aufgaben innerhalb meiner Selbsthilfearbeit, die ich mit meinen eingeschränkten Kräften und auch nur durch und mit der Unterstützung meiner Frau und aller Gruppenmitglieder leisten kann, gibt meinem Leben wieder Sinn und Erfüllung in der Gewissheit, meine Berufung gefunden zu haben.

Eine interessantere und schönere Aufgabe kann ich mir - mag das auch oft anstrengend und nicht einfach sein - nicht mehr vorstellen.

Ich wünsche Ihnen, das auch Sie Ihre Aufgabe/n und damit hoffentlich auch Ihre Berufung in Ihrem Leben (wieder/neu) finden und begreifen, dass man auch mit einer Erkrankung an Depressionen ein glückliches, sinnerfülltes, selbstbestimmtes Leben - auch in einer stabilen Partnerschaft - führen kann.
Gerne unterhalte ich mich mit Ihnen darüber, wie auch Sie Ihren eigenen Weg dorthin (wieder-) finden können und stehe Ihnen mit meinem Wissen und Erfahrungen zur Seite.

Olaf Lindenlaub, Webmaster und Gesprächsgruppenleiter SHG Lebensumwege-Erfurt



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